Willkommen auf der dunklen Seite des Mondes
Schwarzer Mond ist für mich ein Synonym für vieles. Diese Rezensionsseite soll ihr Augenmerk auf besondere Vorlieben richten: BDSM und Fetisch. Abgegrenzt wird später, vielleicht. Zuerst einmal wandere ich quer durch den Bücherwald und nehme mir die (Sach-)Bücher und ausgewählte Romane* vor, die mehr als einen Blick wert sind. Es wäre mir eine Freude, wenn der eine oder andere Vorschlag ins Ziel trifft und dabei weiterhilft, etwas mehr über das zu erfahren, was gemeinhin noch immer hinter vorgehaltener Hand und mit hochrotem Kopf weitergetuschelt wird. Wenn überhaupt.

*: ... und Interviews - weshalb eigentlich keine Interviews? Genau. Also - bald klettern wir auf unsere Interview-Höckerchen und funken unsere Fragen, die die Welt noch nicht kannte. Mit wem wir beginnen - wir wissen es. Der Leser muss noch warten ...


 
Vintage Dita PDF
Vintage Dita

Déjà-vus sind etwas Feines: es klingelt, meist weit hinten im Oberstübchen, und je älter der Kasten ist, umso mehr Staub muss weggepustet werden, bis aus dem »Kenn-ich-das-nicht?« ein »Aha!« wird.

Mir erging es gleich so, als ich den frisch nachgedruckten Fotoband »Vintage Dita« des Fotografen Peter W. Czernich in die Hände bekam. Hab ich Dita nicht ... na, kommt einem ja so vor ... gestern noch gesehen in dieser wohlig räkelnden Pose, eingesunken in purpurblaue Seide und mit einem Rot auf den Lippen, dass der Herzschlag bis zu den Ohren bubbert?

Es war nicht gestern, aber vor kurzem, als mir die recht neue CD von »Atrocity« unters Auge kam. Ja, wegen der Musik (die, nebenher eingeworfen, »nett« im Sinne von »gut« ist, »Werk 80II« peppt 80er-Jahre Songs wie »Relax« oder »Such A Shame« auf), nicht wegen Dita, die mit Korsett dürftig verhüllt die CD-Hülle zum Schmelzen bringt. Was ich andeuten will: Dita von Teese hat es innerhalb eines für sie im wahrsten Sinne guten Jahrzehnts in einem Metier zu etwas gebracht, das zum einen von seinem Schmuddelimage zehrte, zum anderen auch deswegen nicht nur ein Schattendasein lebte, sondern gleich dem feuchten Grab nahe war. Burlesque verbindet sich seither mit dem Namen Dita.
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Fet-X - Ausgabe 6 PDF

 

Fet-X676 Seiten „Fetisch + X“, wie die Titelseite verspricht. Und zweimonatliches Erscheinen – das lesen wir im Impressum. Die Ausgabe 6 ist mittlerweile aber ein paar Tage alt, ohne dass die Nummer 7 angekündigt werden konnte. Und das ist bedauerlich, denn Fet-X bietet genug, um mehr als nur beiläufiges Interesse zu ernten.

 

Magazine sind ja etwas Schönes. Wenn sie gut gemacht sind, packen sie ein Kaleidoskop von allem hinein, was sich zum Thema anbietet. Das verschafft einen Überblick. Und beweist bei Fetisch sehr schön, dass zwar übers Visuelle gearbeitet wird, aber das pure Foto dann doch nicht die Quintessenz ist. Es transportiert die Idee, den Traum. Deshalb fallen beim Durchblättern natürlich die zahlreichen und in der großen Mehrzahl sehr augenfälligen Fotografien auf, die Models mit mehr oder minder viel Latex auf der Haut zeigen. „Silent View“ mit gewagteren, weil nicht dem puren Latexglanz verhafteten Fotos sticht daraus hervor, da mischen sich Gummi und Verstörung, wenn ich den Blick auf eines der Bilder auf Seite 7 lenke. Und trotzdem sind sie ästhetisch, vielleicht macht es der Kontrast aus, vielleicht auch die Reduzierung auf Schwarz-Weiß, gebrochen durch Kontrapunkte in Form von blutroten Lippen oder feuerrotem Haarschopf …

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Fet-X - Ausgabe 5 PDF


Das Team um Chefredakteur Gunter Gaudl hat für die 5. Ausgabe einen bunten Reigen prominenter und weniger prominenter Menschen eingespannt, denen eines gemeinsam ist: ihr Faible für Fetisch.

Am deutlichsten wird das bei Latex Yvonne, der so weit wie möglich – also anonym – offen über seine zeitweilige Wandlung zur Gummipuppe berichtet. Das ist alleine deshalb aufschlussreich, weil er seine Probleme beim Ausleben des Fetischs darlegt, die letztlich in der Scheidung von seiner Ehefrau gipfelten. Mit Axel Tüting dagegen zeigt einer auf der »Couch« sein Gesicht, der längst den Schritt in die Öffentlichtkeit getan hat. Die Interviewfragen an ihn runden das Bild noch ab.

Damit die Ausgabe nicht textlastig wird, streuen sich quer durchs Heft viele, sehr viele Abbildungen, abwechselnd den Inhalt untermalend oder als eigenständiges Segment, wenn es um die Vorstellung von Fotografen wie Martin Peterdamm, C. C. Clearwater, Alexander Wehowski und Thomas Adorff geht.

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L Is for Leather PDF

 

Handliches kleines Paperback, 142 Seiten, 13 Kurzgeschichten rund um das Material Leder von amerikanischen Autorinnen und Autoren: das dezente Titelbild stimmt ein, der Inhalt trägt das Thema elegant fort wie ein hauteng sitzendes kleines Schwarzes aus Leder. Da passt alles, wenn auch Unterschiede in Güte und Ausführung bestehen.

 

Und weil Fetisch, auch wenn er eng auf Leder begrenzt zu sein scheint, vieles meinen kann, sind die Inhalte vielfältig und ein Augenschmaus für viele und irgendwie auch jeden. Einige Kurzgeschichten stechen förmlich ins Auge wie eine Grazie im tiefroten Abendkleid, andere lesen sich glatt herunter, prägen sich aber weniger nachhaltig im Gedächtnis ein.

 

Zu den Storys mit Esprit und Inspiration zählt „Truman Capote was wrong“ von Lisette Ashton. Ashton zitiert Capote mit „The good thing about masturbation is that you don't have to dress up to do it“ - muss ich erwähnen, in welchen speziellen Dress die Dame schlüpft, um Capote eines Besseren zu belehren? Nein, aber das „Was“ ist auch zweitrangig, denn das „Wie“ forciert Ashton in einer Art und Weise, subtil und eindringlich, das man als Voyeur mit im Ladengeschäft stehen und die akribisch vorgetragene Ankleideaktion mitverfolgt. „This was almost spiritual“ - man nimmt es der Dame ab, wenn sie selbstversunken die neue Haut über der Haut genießt.

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Plastic Bondage PDF

 

Das Nachwort von Philippe Cartier sollte man sich vor dem Goutieren des Bildbandes zu Gemüte ziehen. Der Werdegang, ganz besonders die Schlenker, die ihn abseits der Fotografie führten, bis er in späteren Jahren doch seine Passion mit mehr Hingabe betreiben konnte, ist nicht nur aufschlussreich, sondern schließt den Kreis mit einer Quintessenz, die sich durch alle Fotografien zieht. Alle Fesselungen, egal wie vage sie angedeutet sind oder wie explizit sie ausgeführt wurden, wie verschlungen oder wie eindeutig sich ihre Bahnen winden – niemals steht für Cartier etwas anderes als die Schönheit des weiblichen Körpers im Fokus.

 

Das ist in Zeiten des Internets und seiner Vermüllung ein Standpunkt, den er zu Recht hervorhebt. Was dort an „Sado-Maso-Mist“ untergejubelt wird, ist nicht auf die spezielle Weise obszön, sondern einfach nur ein Zukleistern mit möglichst ekelhaften Bildern. Mit Leidenschaft für Fesselungen und mit der Magie, die sie auf beide – Zuschauer und Gefesselte/Gefesselter – auszuüben vermögen, haben solche gestellten Schnappschüsse (okay, mancher Fotograf versteht ja sogar das, was man in seinem Falle dann aber auch „Handwerk“ nennen muss – und eben nicht „Kunst“) nichts gemein.

 

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Wie Mann seine Sklavin findet. Und behält. PDF

 

Sakow … Sakow – der Name sagt mir doch was. Richtig, Sakow bereicherte die magere SM-Bibliothek um seine Storys und Romane mit „Scheißbulle“ Frost. Aber Gregor Sakow kann auch anders, obwohl: so sehr viel anders ist es nicht, was dort zwischen den Buchdeckeln an dunklen Geheimnissen wartet, denn Frost wird nichts davon fremd sein.

 

Gregor Sakow bittet also uns, die Möchtegern-Doms auf der Suche nach Erfüllung, zum Lehrgang. Das Etablissement ist edel genug, um gleich vier Damen Schauplatz für ihre ganz speziellen Auftritte zu sein. Manuela mit der vorlauten Schnauze, Daniela mit dem Herzen rein wie frische Rosen, und Nora mit den fesselnden Träumen. Ach, und Ingemarie, die resolute – na, nennen wir sie herzhafte Barkeeperin, die der erzählende Autor gerne mit einbeziehen möchte, an der er sich aber die Zähne ausbeißt.

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Fetish Dreams PDF

 

Beginnen wollte ich ursprünglich mit der Frage „Was ist ein Fetisch?“ In diesen unseren modernen Zeiten google auch ich mir die Finger wund – und das im fast im wahrsten Sinne. Die Wikipedia bemühe ich ungern, weil ich gerne Texte namentlich zuordnen will; ich bin altmodisch und mag es zu wissen, wer mir da eine Information mit immer subjektivem Akzent zuschieben will. Aber, ach, über die Wiki hinaus lande ich auch nirgendwo besser. Ein Link lockte mich zu „Ratgeber der Sexualität“, der mir weismacht, dass es allerhand Fetische gibt. So wie „Alte Leute (Omasex)“, „Behaart“, „Milchsex“ oder „Gangbang“. Huch, das ist auch ein Fetisch. Ja, genau wie „Gothic“ - heiliger Bimbam, wer hätte das vermutet – und ist das den Szenegängern auch bewusst, dass sie einem Fetisch anhängen, der in einem Atemzug mit „Tampons ex“ genannt wird.

 

Die "Sklavenzentrale" treibt es auf die Spitze. Fürs Profil stellten sie eine Auswahl von mehr als 100 Fetischen zur Verfügung, mit denen wirklich jeder die passende Schublade finden kann. Ich halte der SZ zugute, dass sie es nicht zuletzt wegen der anhaltenden Diskussionen in ihrem Forum mit mehr als einem Augenzwinkern gemacht hat. Und das ist auch gut so. Denn mittlerweile ist es chic, sich einen, oder besser: seinen Fetisch ans Revers zu heften (mit Krokodilsklemme, versteht sich), damit man nur ja nicht zum Mainstream zählt.

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Das SM-Handbuch Spezial Teil 1 PDF

 

Ein Spezial-Handbuch nach dem schon gehaltvollen und mit seinen mehr als 250 Seiten kaum dünneren „SM-Handbuch“ - tut das wirklich Not? Wir werden es sehen. Anders als im genannten Hardcover firmiert diesmal Matthias T. J. Grimme als Herausgeber, also nicht als alleiniger Autor. Das wertet den Band auf, denn man sollte sicher sein können, dass die Themen von Leuten abgegriffen wurden, die sich im gewählten Metier auch bestens auskennen.

 

Metier – das ist noch harmlos umschrieben, denn das Kaleidoskop schillert bunt vor Themenvielfalt. Über die im SM-Handbuch aufs Wesentliche konzentrierten Beiträge hinaus packte das Autorenteam eine ganze Palette voll. Dabei startet alles wie gehabt (und wie es richtig ist): mit den Sicherheitshinweisen. Diesmal bleibt's aber gar nicht beim erhobenen Zeigefinger (den der gute BDSMer ja auch gerne mal hochhält, um zu zeigen, wie umsichtig er ist), nein, es geht ans Eingemachte.

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